Resonanz: Fragmente – Artefakte
Konzertabend mit Rui Antunes, Carlos Cordeiro und Susanne Stock
mit einer Uraufführung von Meike Senker
Zimeliensaal (Grassimuseum Leipzig), 12.06.2026, 18:00 Uhr
„Resonanz: Fragmente – Artefakte“ ist ein Konzertabend zeitgenössischer Kammermusik an der Schnittstelle von Klang, Erinnerung und poetischer Struktur. Die drei renommierten Leipziger Interpret:innen Rui Antunes (Violine), Carlos Cordeiro (Klarinetten) und Susanne Stock (Akkordeon) präsentieren Werke, in denen Resonanz als zentrales Moment erscheint: als Echo, als Spur des Vergangenen, als akustisches Artefakt.
Im Zentrum steht die Uraufführung eines neuen Trios der Leipziger Komponistin Meike Senker. In ihrer Komposition voices between entstehen fragile, sich überlagernde Klangtexturen aus Multiphonics, die sich – wie mikroskopisch feine Reliefs – zu schwebenden Resonanzräumen verdichten. Töne, die scheinbar aus dem Hintergrund kommen, werden hörbar gemacht. Sie wirken wie klangliche Fundstücke, aus denen sich neue musikalische Bedeutungen entfalten. Dieses Sichtbarmachen des Unhörbaren – das Aufscheinenlassen von Klangartefakten – ist zugleich eine ästhetische wie politische Geste: Es geht um Aufmerksamkeit für das Überhörte, Verdrängte, Nebensächliche.
Ergänzt wird das Programm durch „the expanded moments (of being)“ für Bassklarinette und Akkordeon der im Iran geborenen Komponistin Farzia Fallah – ein intimes, zartes Werk, das mit Fragmenten aus A Sketch of the Past von Virginia Woolf arbeitet. Erinnerungen tauchen auf und verschwinden wieder; der Klang bewegt sich zwischen Greifbarkeit und Auflösung. Fallah verhandelt das paradoxe Verhältnis von Vergänglichkeit und Dauer – musikalisch, fragmentarisch, poetisch verdichtet.
Kontrastierend dazu steht das Trio „hin her“ von Sebastian Stier. Die kurzen, dichten Miniaturen sind inspiriert von der Sprachkunst Ernst Jandls und kreisen um Pendelbewegungen – zwischen Klang und Geste, zwischen Impuls und Rückkehr.
So verbindet der Konzertabend drei sehr unterschiedliche musikalische Handschriften zu einem gemeinsamen Nachdenken über Resonanz als ästhetisches und erinnerungspolitisches Prinzip – hörbar gemacht durch drei Instrumente, die selten in dieser Kombination erklingen.
Programm (Auswahl)
Meike Senker – voices between (2026 UA)
für Violine, Akkordeon und Kontrabassklarinette (Uraufführung)
Farzia Fallah – the expanded moments (of being) (2018/2019)
für Bassklarinette und Akkordeon
Sebastian Stier – hin her (2002/2004)
für Violine, Es-Klarinette und Akkordeon
Bahar Royaee – a hair ON the skin OF the water ON the lake (2020)
für Violine
Haukur Þór Harðarson – Anima (2019)
Für Bassklarinette